Island · Winter

Familienreise · 7 Tage · Selbstfahrer

Island im Winter. Der Plan richtet sich nach dem Licht.

Die Straßen sind im Winter selten das Problem — die Tageslänge ist es. Zwischen Weihnachten und Mitte März verdreifacht sich die Zeit, in der ihr überhaupt etwas seht. Diese Seite rechnet jede Etappe gegen das Tageslicht des gewählten Monats: gleiche Route, andere Machbarkeit.

Basis
Reykjavík & Südküste
Strecke
ca. 1.100 km
Fahrzeug
4×4, Winterreifen
Übernachtungen
3 Standorte, 6 Nächte
Beste Monate
Februar & März
Reisemonat wählen
Tageslicht in Reykjavík 8:30 h 09:30 – 18:00

Die knappe Ressource

Vier Stunden oder zwölf

Reykjavík liegt auf 64° Nord, knapp unter dem Polarkreis. Am 21. Dezember geht die Sonne um 11:22 auf und um 15:30 wieder unter — sie steigt dabei nie höher als drei Grad über den Horizont. Das klingt düster, sieht aber umwerfend aus: Weil die Sonne so flach steht, dauert die goldene Stunde real zwei Stunden. Nur planen muss man anders.

Mitte Februar

Ein typischer Reisetag, Reykjavík

0006121824
Sonnenaufgang
09:30
Sonnenuntergang
18:00
Nutzbares Tageslicht
8 h 30 min
Dämmerung zusätzlich
ca. 2 h
Dunkelheit für Nordlichter
ab ca. 19:30

Im Vergleich

Der Unterschied zwischen Dezember und März ist kein Detail, sondern eine andere Reise. Im Dezember schafft ihr zwei bis drei Stopps am Tag, im März sechs. Dafür ist im Dezember die Weihnachtsstimmung in Reykjavík unschlagbar — und die 13 Jólasveinar, Islands Weihnachtsmänner, kommen ab dem 12. Dezember einzeln über die Berge.

Die Linie

Ein Korridor, kein Rundkurs

Die Ringstraße komplett im Winter mit Kindern: keine gute Idee. Der Norden und die Ostfjorde bringen lange Pässe, wenig Tageslicht und viele Kilometer, in denen nichts kommt. Der Süden hat auf 380 Kilometern alles, wofür man nach Island fährt — und eine Straße, die geräumt wird.

0 km 50 190 300 375 560 565 km Keflavík Reykjavík Golden Circle Hella Vík Skaftafell Jökulsárlón Flughafen 2 Nächte Tagesschleife 1 Nacht 2 Nächte Gletscher Wendepunkt 50 min Schleife 3 h 1 h 1 h 20 2 h 40 min Übernachtungsort Ziel ohne Übernachtung
KeflavíkFlughafen · 0 km
50 min
Reykjavík2 Nächte · 50 km
Tagesschleife, 3 h
Golden Circleohne Übernachtung · 190 km
1 h
Hella1 Nacht · 300 km
1 h 20
Vík í Mýrdal2 Nächte · 375 km
2 h
SkaftafellGletscher · 560 km
40 min
JökulsárlónWendepunkt · 565 km

Kilometer ab Flughafen Keflavík, entlang Ringstraße 1 und den Golden-Circle-Straßen 36/365/37/35. Die Rückfahrt Jökulsárlón → Reykjavík dauert am Stück gut 5 Stunden.

Tag für Tag

Sieben Etappen gegen die Uhr

Jede Etappe zeigt, wie viel Tageslicht sie braucht — Fahrzeit plus die Zeit an den Stopps, die man wirklich bei Licht erleben will. Die Ampel vergleicht das mit dem Tageslicht des oben gewählten Monats. Wechselt den Monat und beobachtet Tag 5.

Schlafen

Drei Basen statt sieben Betten

Der größte Fehler bei Islandreisen im Winter ist tägliches Umziehen. Jeder Standortwechsel kostet im Dunkeln eine Stunde Ein- und Auspacken. Drei Basen für sechs Nächte, dazu ein Zimmer mit Küchenzeile — das spart Nerven und in Island erstaunlich viel Geld.

Reykjavík

Nacht 1–2 · und Nacht 6

Kurze Wege, Pools, Plan B bei Sturm

Fosshotel Reykjavík

180–240 €pro Nacht

Größtes Haus der Stadt, unkompliziert für vier Personen, 15 Gehminuten zur Innenstadt. Verlässliches Frühstücksbuffet — im Winter mehr wert, als es klingt.

  • Familienzimmer
  • Frühstück
  • Parkhaus

Reykjavík Residence Apartments

200–290 €pro Nacht

Eigene Küche und Waschmaschine mitten im Zentrum. Wer zweimal selbst kocht, hat den Aufpreis gegenüber dem Hotelzimmer wieder drin.

  • Küche
  • Waschmaschine
  • Zentral

Center Hotels Laugavegur

150–210 €pro Nacht

Direkt an der Einkaufsstraße, praktisch für einen Ankunftsabend ohne Auto. Zimmer eher kompakt — für zwei Nächte völlig in Ordnung.

  • Zentral
  • Preis-Leistung

Hella / Hvolsvöllur

Nacht 3

Freies Feld, dunkler Himmel, Start in den Süden

Hotel Rangá

350–500 €pro Nacht

Das Nordlicht-Hotel Islands: eigene Sternwarte, freies Feld ringsum und ein Weckdienst, der euch nachts klingelt, wenn der Himmel grün wird. Teuer, aber genau dafür fährt man hin.

  • Nordlicht-Weckdienst
  • Sternwarte
  • Hot Tubs
  • Restaurant

Stracta Hotel Hella

170–230 €pro Nacht

Flache Apartmenthäuser mit Küchenzeile und beheizten Außenwannen. Die pragmatische Alternative zum Rangá, gleicher dunkler Himmel, halber Preis.

  • Küchenzeile
  • Hot Tubs
  • Familienapartments

Umi Hotel

160–220 €pro Nacht

Direkt an der Ringstraße zwischen Hvolsvöllur und Seljalandsfoss. Große Fenster nach Süden, unaufgeregt, gute Küche.

  • An der Route
  • Restaurant

Vík í Mýrdal

Nacht 4–5

Der Ankerpunkt für Süden und Gletscher

Hótel Kría

200–280 €pro Nacht

Der jüngste Bau am Ort, warm und hell eingerichtet, Blick auf die Berge. Bestes Gesamtpaket in Vík, wenn Familienzimmer frei sind.

  • Familienzimmer
  • Neu
  • Restaurant

Hotel Vík í Mýrdal

170–240 €pro Nacht

Solide und zentral, zu Fuß zum Supermarkt und zur Kirche auf dem Hügel — dem besten Nordlicht-Aussichtspunkt im Ort.

  • Zentral
  • Zu Fuß zum Kaufmann

Fosshotel Glacier Lagoon

190–260 €pro Nacht

Nicht in Vík, sondern 130 km weiter östlich bei Hnappavellir. Die Alternative, wenn ihr Tag 5 entzerren wollt: dann schlaft ihr direkt vor dem Vatnajökull.

  • Nah an Jökulsárlón
  • Gletscherblick

Buchen

Touren, und ab wann Kinder mitdürfen

Das Mindestalter ist bei Gletschertouren kein Vorschlag, sondern Versicherungsbedingung — vor der Buchung prüfen, die Anbieter handhaben es unterschiedlich. Die Preise sind Richtwerte pro Person aus der Wintersaison; alles Gletscherbezogene braucht Vorbuchung, oft Wochen im Voraus.

Kristall-Eishöhle im Vatnajökull

ab 8 J.

Die blauen Höhlen gibt es nur von November bis März — im Sommer schmelzen sie weg. Abholung mit dem Super-Jeep ab Jökulsárlón, dann kurze Wanderung ins Eis. Der eine Programmpunkt, den man im Winter macht und sonst nie.

Anbieter: Glacier Adventure, Local Guide of Vatnajökull, Arctic Adventures

Dauer
3–4 h
Preis
ca. 150–195 €
Saison
Nov – März

Katla-Eishöhle ab Vík

ab 6 J.

Schwarz-blau geädertes Eis unter Vulkanasche, im Kötlujökull. Ganzjährig begehbar und deutlich näher an Vík als die Vatnajökull-Höhlen — der Kompromiss, wenn Tag 5 nicht bis Jökulsárlón reicht.

Anbieter: Katlatrack, Arctic Adventures, Troll Expeditions

Dauer
3 h
Preis
ca. 130–160 €
Saison
ganzjährig

Gletscherwanderung Sólheimajökull

ab 8–10 J.

Steigeisen, Pickel, zwei Stunden auf der Gletscherzunge. Direkt an der Route zwischen Skógar und Vík, kurze Anfahrt. Für Kinder das Erlebnis, bei dem sie später sagen, sie waren auf einem Gletscher.

Anbieter: Arctic Adventures, Icelandic Mountain Guides, Troll Expeditions

Dauer
3–4 h
Preis
ca. 90–120 €
Ausrüstung
gestellt

Islandpferde reiten

ab 6 J.

Der Tölt ist eine eigene Gangart, die es sonst nirgends gibt — und die Pferde sind klein genug, dass Kinder keine Angst haben. Reithallen bei Reykjavík fahren auch bei Sturm, wenn draußen nichts mehr geht.

Anbieter: Íshestar (Hafnarfjörður), Laxnes Horse Farm (Mosfellsdalur)

Dauer
2–3 h
Preis
ca. 75–95 €
Wetter
Halle möglich

Nordlicht-Bootstour ab Reykjavík

jedes Alter

Vom Alten Hafen aufs dunkle Wasser, weg von den Straßenlaternen. Overalls werden gestellt. Fällt bei Bewölkung aus und wird kostenlos umgebucht — deshalb früh in der Woche buchen, damit ein zweiter Versuch reinpasst.

Anbieter: Special Tours, Elding

Dauer
2 h
Preis
ca. 80–100 €
Start
20:00 / 21:00

Perlan — Wonders of Iceland

jedes Alter

Begehbarer Eishöhlen-Nachbau aus echtem Gletschereis, Vulkan-Ausstellung und eine Planetariumskuppel mit Nordlicht-Film. Der beste Schlechtwettertag der Insel — und die Aussichtsplattform ist der schönste Blick über Reykjavík.

In Reykjavík, ohne Vorbuchung möglich

Dauer
2–3 h
Preis
ca. 45 € p. P.
Wetter
egal

Aurora borealis

Nordlicht ist Wetter, nicht Glück

Die Sonnenaktivität ist selten der begrenzende Faktor — die Wolken sind es. Auf vedur.is liegt beides übereinander: eine Aktivitätsskala von 0 bis 9 und eine Wolkenkarte für die ganze Insel. Ab Stufe 3 reicht es schon, wenn der Himmel frei ist.

Wann

September bis April, praktisch jede klare Nacht. Die beste Zeit liegt zwischen 21 und 1 Uhr, mit einem Maximum um Mitternacht. Rechnet mit drei bis vier ernsthaften Versuchen pro Woche — dann steht die Chance gut.

Wo

Raus aus Reykjavík, das ist alles. Zwanzig Autominuten reichen: Grótta-Leuchtturm am Stadtrand, das freie Feld um Hella, der Kirchhügel über Vík. Motor aus, Augen zehn Minuten an die Dunkelheit gewöhnen lassen.

Womit

Das Handy sieht mehr als das Auge — im Nachtmodus mit 3 bis 10 Sekunden Belichtung, aufgelegt oder auf ein kleines Stativ. Was auf dem Display grün leuchtet, wirkt live oft nur wie ein blasser grauer Schleier. Das ist normal, nicht enttäuschend.

Nicht verhandelbar

Zwei Dinge, die in Island wirklich passieren

Reynisfjara: der schwarze Strand tötet Menschen

Am Reynisfjara bei Vík laufen sogenannte Sneaker Waves auf — einzelne Wellen, die ohne Vorwarnung zwanzig, dreißig Meter weiter den Strand hochschießen als alle davor. Das Wasser zieht mit einer Kraft zurück, gegen die ein Erwachsener nichts ausrichtet, und die nächste Landmasse in dieser Richtung ist die Antarktis. Hier sind mehrfach Touristen gestorben, zuletzt Menschen, die für ein Foto mit dem Rücken zum Meer standen.

  • Am Eingang steht eine Warnampel. Bei Gelb oder Rot bleibt ihr oben — kein Ermessensspielraum.
  • Mindestens 30 Meter Abstand zur Wasserlinie, auch wenn andere näher stehen.
  • Kinder an der Hand. Immer, den ganzen Strand entlang.
  • Nie mit dem Rücken zum Meer stehen. Auch nicht kurz, auch nicht für ein Foto.

Der Strand ist trotzdem sehenswert — die Basaltsäulen und die Reynisdrangar-Felsnadeln sind großartig. Nur eben von weiter oben.

Der Wind reißt die Autotür ab

Häufigster Mietwagenschaden in Island, und keine Versicherung deckt ihn. Bei Sturm die Tür am Griff festhalten, mit dem Rücken zum Wind öffnen, Kindern vorher sagen, dass sie nicht aufdrücken. Auf Parkplätzen möglichst mit der Front in den Wind stellen.

Morgens road.is, immer

Die Straßenkarte zeigt live, was geräumt, glatt oder gesperrt ist. Dazu die Wetterwarnungen auf vedur.is: Bei Orange fahrt ihr nicht los, bei Rot bleibt ihr im Haus. Das sind keine Empfehlungen — Island vergibt sie sparsam und meint sie ernst.

Grödel unter die Schuhe

Die Wege an Seljalandsfoss, Skógafoss und Gullfoss sind im Winter vereiste Rutschbahnen, vom Sprühnebel gefroren. Für zehn Euro das Paar bekommt ihr Spikes zum Überziehen — die häufigsten Verletzungen bei Islandreisenden sind Stürze auf Eis, nicht Unfälle.

112 Iceland auf jedes Handy

Die App der isländischen Rettungsdienste. Ein grüner Knopf hinterlegt eure Position, ein roter setzt den Notruf ab — beides funktioniert auch dort, wo ihr die Koordinaten nie durchgeben könntet. Vor der Abreise installieren, nicht unterwegs.

Vor jeder Fahrt

Koffer

Drei Schichten, und die Badesachen ganz oben

Island ist selten arktisch kalt — meist liegt es zwischen minus 5 und plus 3 Grad. Was die Kälte gefährlich macht, ist die Kombination aus Wind und Nässe. Deshalb zählt die wasser- und winddichte Außenschicht mehr als dicke Pullover. Orange markiert, was ihr wirklich braucht.

Am Körper

  • Wasser- und winddichte Jacke mit Kapuze
  • Regen- oder Skihose über allem
  • Merino als Basisschicht, kein Baumwoll-Shirt
  • Fleece oder Daune als Mittelschicht
  • Mütze, die über die Ohren geht
  • Handschuhe, zwei Paar pro Person
  • Buff oder Schlauchschal gegen Sprühnebel

An den Füßen

  • Wasserdichte Stiefel mit Profil
  • Grödel / Schuhspikes, pro Person ein Paar
  • Wollsocken, mehr als ihr denkt
  • Ersatzschuhe fürs Auto

Fürs Wasser

  • Badesachen und Handtuch griffbereit
  • Badeschuhe für die Umkleiden
  • Haargummi — Chlor und Schwefel

Technik & Auto

  • 112-Iceland-App auf jedem Handy
  • Powerbank — Kälte frisst Akku
  • Handyhalterung fürs Armaturenbrett
  • Offline-Karten heruntergeladen
  • Kleines Stativ für Nordlichtfotos
  • Thermoskanne, Snacks, Wasser
  • Kreditkarte mit PIN — Tanksäulen wollen sie
  • Adapter Typ F, wie in Deutschland

Die Duschregel in isländischen Bädern

In jedem öffentlichen Schwimmbad duscht man sich vor dem Betreten nackt und gründlich — ohne Badesachen, mit Seife, an den markierten Stellen. Das Wasser wird kaum gechlort, deshalb ist die Regel Hygienevorschrift und wird auch durchgesetzt. Kindern das vorher erklären, dann ist es kein Thema. Und die Bäder in den Wohnvierteln sind besser und ein Zehntel so teuer wie die Blaue Lagune: Laugardalslaug in Reykjavík hat Rutschen und Wannen von 38 bis 44 Grad.

Budget

Was eine Woche für vier kostet

Richtwerte für zwei Erwachsene und zwei Kinder, sieben Tage, Winterpreise ohne Flug. Island ist teuer, aber der Winter ist die günstigste Saison — Unterkünfte kosten teils die Hälfte des Julipreises.

PostenSpanne
Mietwagen, 4×4 mit Winterreifen7 Tage inkl. Zusatzversicherung und zweitem Fahrer600 – 900 €
Unterkunft, 6 NächteFamilienzimmer oder Apartment, teils mit Frühstück1.100 – 1.700 €
Verpflegungzweimal täglich selbst versorgt, Bónus und Krónan statt Restaurant700 – 1.100 €
TourenEishöhle, Gletscher, Reiten — vier gebuchte Programmpunkte für vier Personen700 – 1.200 €
Spritca. 1.100 km, Diesel deutlich über deutschem Niveau180 – 240 €
Bäder und EintritteSchwimmbäder, Perlan, Parkgebühren Þingvellir150 – 300 €
Summe ohne Flug3.400 – 5.400 €

Größenordnungen, keine Angebote — Preise in Island schwanken stark mit Saison und Vorlauf, und die Krone bewegt sich. Am meisten spart ihr an zwei Stellen: Unterkünfte mit Küche statt täglich Restaurant, und den Mietwagen früh buchen. Die Blaue Lagune allein kostet für vier Personen so viel wie zwei Schwimmbadbesuche pro Tag, die ganze Woche lang.